Wunderökoauto

Adam Opels sensationelles Zwei-Liter Drei-Liter-AutoOpel-Vectra

Alles schon vorhanden - man muss es nur nutzen

Wunderwerk der Technik - aber auch der Fahrkunst

Der Neukauf eines alten Opels, Baujahr 1997, Vectra-B, 2-Liter-Motor, Benziner, enthüllte Erschaunliches, denn jeder würde bei so einer alten, aber tollen Mühle, mit 173.000 km auf dem Tacho, mindestens 12-14 Liter Spritverbrauch vermuten.
Da der Wagen allerlei elektronischen Schnickschnack aufweist, wie der Verfasser ihn nur von fremden Autos und vom Hörensagen kannte, beschloss er, das mal zu untersuchen. Durchschnittsverbrauch
Eigentlich hätte er das Auto nie im Leben gekauft, handelt es sich doch um einen Automatikwagen, der wegen des Schlupfes eh immer mehr als einer mit Gangschaltung verbraucht, aber da das in der Zeitungsanzeige übersehen wurde, war der Besichtigungstermein nun eben gemacht, und das gute Stück wurde erworben. (1)

Beschleunigen

Also dann mal strikt auf den jeweils normalen Benzindurchlauf achtgegeben und los.

Verdammt hoch liegt er bei kaltem Motor, wo er beim Anfahren - auch bei behutsamen - auf gut über 30 Liter springen kann, aber das ist binnen Kurzem vorbei.

Tacho

Dito der Verbrauch im Stand von 0,7 anfangs auf 0,4 und 0,1 Liter. Dennoch ist die Anfahrerei immer kritisch - da strömt wirklich nur so das Benzin weg, während im Stand nachher nur immer die besagten 0,1 lt angezeigt werden. Beim Anfahren verhält es sich einfach so, dass die Zylinder vom Benzin regelrecht überschwemmt werden, aber wegen der Trägheit der ganzen Mechanik wenig Wirkung zeigen. Der Kraftstoff wird schlicht verschleudert. Das Wichtige ist also ein ganz vorsichtiges, gemächliches Beschleunigen, ansonsten würde das Benzin großteils nutzlos und unvollständig verbrannt durch den Hubraum in den Auspuff strömen. Jeder weiß das eigentlich, pfeift aber drauf, wenn man die Geschiche nicht per Anzeige vor Augen hat, die "Zeit" drückt, Geld und Umwelt keine Rolle spielen oder wie auch immer.

Strategie

Langsam beschleunigen, höchstens auf zwölf oder vierzehn Liter, besser Halt bei zehn. Das ist das A & O.
In der Stadt mit ihren vielen Ampeln verhält es sich ja logischerweise so, dass beim Abbiegen die nächste Ampel auf Rot stünde, da sie immer sychronisiert sind, um einen guten, durchgängigen Verkehrsfluss zu ermöglichen. Frei ist immer in grader Strecke. Nur Halbbewusstlose und Taxifahrer haben das noch nicht mitgekriegt. Allerdings - man darf es nicht leugnen - auch viele Frauen nicht. Es gibt einen Haufen Leute, die 40 Jahre lang Auto gefahren sind und sich darauf angesprochen, höchst erstaunt zeigen.

Wegstrecke

Dessen eingedenkt fahren Abbieger eben langsam, können auch in den Leerlauf gehen (auf Neudeutsch beim Automatik: Neutral) und folglich mit dem 0,1 lt-Verbrauch an die nächste Ampel heranrollen. Man sieht sie ja eh schon in der Ferne auf Rot stehen. Diesen Fernblick muss man entwickeln, sofern nicht vorhanden, denn das Heck des Vordermannes taugt gar nichts. Die Rollerei ist natürlich beim Automatik besonders bequem, weil nicht zu kuppeln ist. Man flutscht grade von "D", für "Drive" vermutlich, widerstandslos in den Leerlauf und auch wieder zurück. Eine weitere Sparmöglichkeit bestünde darin, den Motor einfach mit halber Drehung des Schlüssels auszuschalten, also so, dass die Lenkradsperre nicht einrasten kann, dies dann auch ganz allgemein vor Ampeln, aber da die Batterie ziemlich am Ende der Karriere ist, musste das unterbleiben.
Das dürfte den Verbrauch noch mal senken und das Ergebnis verbessern, denn der Verbrauch im Stehen geht ja fälschlicherweise in die Fahrleistung mit ein, obwohl der Wagen ja gar nichts leistet. Das heißt: Würde er sich durchgehend bewegen können, so läge der Verbrauch unter drei Litern. (2)
Durchschnittsgeschwindigkeit

Langsam heranrollen tun ohnehin immer mehr Fahrer, denn es ergibt offensichtlich keinen Sinn, scharf an eine Ampel heranzupreschen, um die grade reingesteckte Energie wieder durch Bremsen zunichte zu machen und die Bremsen zu verschleißen. (3)
Wer sich also gemächlich nähert, braucht selten noch zu stehen, sondern kann vielleicht gleich aus dem zweiten Gang beschleunigen und die Ampel überqueren, statt aus dem Stand, wie "üblich", im ersten anzufahren. Damit zieht man in einer Vielzahl von Fällen an der anderen Spur vorbei. Also zumindest wird hier in Freiburg so gefahren, Frankfurtern, Hamburgern und Münchenern braucht man das allerdings dank längerer Leitung nicht zu erzählen. Auch hier gibt es noch ein paar Hänsel, die nicht auf die Ampel sondern nur drei Meter vor sich auf den Opel gucken können und nervös herumzappeln, ein wenig links, ein wenig rechts ausscheren, sich aber meist beruhigen, wenn sie merken WARUM man so fährt. Belohnt werden sie damit, dass sie im Schlepptau des Opels an allen, die erst im ersten Gang in der andern Spur anfahren müssen, vorbeisausen dürfen. Es gibt andererseits auch solche, die dasselbe machen und sogar noch in ziemlichen Abstand dem Vectra hinterherrollen.
Beim Fahren dann liegt man häufig bei 1,4 bis 1,9 Liter, geht es sachte mal bergauf, so werden vier bis fünf Liter angezeigt. Geht es etwas bergab, dann unter zwei Liter, unter einem Liter bis auf 0,1 hinunter, in dem Maße wie der Motor nichts mehr zu tun hat und schließlich geschoben wird.

Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit

Auf etwas längeren Strecken, so bis zwölf Kilometer außerhalb der Stadt nach Buchheim, die auch rund dreimal zurückgelegt wurden, wurde auf der Schnellstraße nach Vorschrift gefahren statt der 10 oder 20 kmh Zugabe - eine völlig ungewohnte und schmerzhafte Erfahrung. Die erlaubten 80 kmh sind dann eben genau das, wobei die Geschwindigkeit auch mal mit 70 kmh etwas darunter liegen könnte, was ja weder verboten ist, noch die Hintermänner in den Wahnsinn triebe. Sie war aber auch nicht niedriger, um der Gefahr der Steinigung als Verkehrshindernis vorzubeugen.

TempomatAbsoluter Verbrauch

Zusätzlich hat der Wagen einen Tempomat, der also eine einmal erzielte Geschwindigkeit über längere Strecken halten kann. Schaltet man ihn ein, so fällt der Verbrauch stark ab, z.B. von 4 Liter auf 2,4. Welche Auswirkung er letztlich auf den Verbrauch hat, ist fraglich, denn wenn´s bergauf geht, drückt er richtig auf die Tube, wie man es selbst nicht täte. Er hat halt den Befehl, eine bestimmte Geschwindigkeit zu halten, was er eben tut. Ansonsten bereitet der Tempomat Freude, denn man kann längere Strecken per Fingerschnipp fahren. Rollt man von der Schnellstraße in die Stadt, sieht das 80-km-Schild, so schaltet man ihn aus, bis die 80 km durch Verlangsamung erreicht sind, drückt dann einfach wieder drauf, dasselbe wenn das 60-km-Schild in Sicht kommt. Das heißt: Es ist nichts anderes zu tun, kein Bremsen, rein gar nichts, nur Tempomat an und aus.
Radio und Klimanlage sind übrigens ausgeschaltet. 

Und so schafft man dann sage und schreibe einen Verbrauch von drei Litern!
Die Fotos beweisen´s.

Details

Als Wegstrecke, also die gemessene Entfernung, wird 109,9 km angegeben, tatsächlich beträgt sie etwas mehr, nämlich 113,5 (siehe oberhalb d. Tachostands, weil nach dem Tanken drei kilometerlang vergessen wurde, den Wegstreckenzähler auf Null zu setzten. So ist das Leben.

Und dieses ganze Auto nun stammt aus dem Jahr 1997, eines bevor der Lupo, das erste Dreiliterauto von VW, in Deutschland lanciert wurde. Viel zu früh, leider.

Hier nochmal alles in Prosa:

Reichweite

- Durchschnittverbrauch 3 lt 
- Gefahren 113,5 km (Wegstreckenanzeige nur 109,9 weg. der vergessenen Zurückstellung)
- Durchschnittsgeschwindigkeit 32 kmh
- Absoluter Verbrauch 3,2 lt
- Reichweite 1500 km, was ja wohl bedeutet, bei der angewandten Fahrweise und der Tankfüllung 1.500 km fahren zu können.

Fazit: Das Drei-Liter-Auto war schon lange vorhanden, es fehlen nur die Fahrer. Immer noch. Wo sind sie, woher kriegt man sie?

Die Opel-PR-Leute wurden mal angemailt. Noch erfolgte keine Antwort. Ebenfalls eine lange Leitung? Vermutlich finden die das zwar interessant, aber da man das Auto nicht mehr verkaufen kann, auch wiederum nicht soooo doll.
Auch die "Auto-Bild" wurde benachrichtigt, und die der Redaktion vorgeschalteten Zerberusse teilten mit, dass die Sache der Redaktion weitergegeben werde.
Übrigens: Parkt man das Auto, so verbraucht es auf einmal gar nichts. Komisch, komisch ... gefällt aber.

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1. Neuer TÜV übrigens, 800 Euro, wie üblich, zack. Zu verlieren war dabei nie viel. Halten wird er wie seine Vorgänger mindestens zwei Jahre, mit etwas Glück geht er anschließend noch mal durch den TÜV und macht dann vier. Käme mal eine Beule hinzu, ein Kratzer, nun dann wäre und das eben so und fertig. Zu DM-Zeiten waren die Autos zwischen 700 und 1200 DM zu haben, zwölf Jahre alt und waren hunderfünfzig- bis hundertachtzig Kilometer gelaufen. Heute kosten sie dasselbe in Euro, sind aber leider oft um einiges älter, 16-18 Jahre nämlich. Dabei ist der Tachostand meist wie vorstehend, weil einfach weniger gefahren wird.

2. Da wünschte man sich einen einfachen Schalter am Lenkrad, um das zu bewerkstelligen. Schnipp, an und aus - das wäre ein Traum! Es gibt ja auch Autos mit einer Start-Stopp-Automatik, die einfach abschaltet, wenn sie z.B. vor einer roten Ampel stehen. VWs Ecomat (hieß er tatsächlich so??) tat das zum Beispiel als erster in den Siebzigern. Trat man aufs Gas, so sprang er wieder an, ein Wagen, welcher der Zeit weit voraus war und heute völlig vergessen ist. Er war auf dem Markt, als der Golf rauskaum, aber die Autoverkäufer wollen einfach letztere an den Mann bringen, weil sie mehr daran verdienten und machen das Ökoauto schlecht. "Ein Auto, das einfach ausgeht; das ist nichts Gescheites ...".
Wie auch immer: Ausgeschaltet werden würde nach dem System ja nur im Stand, aber nicht, wenn immer die Verkehrssituation das zuließe. Das wäre zu wenig, denn vermutlich würde man in der Stadt ein Viertel bis ein Dritttel seines Weges rollen können, was nochmals einiges an Verbrauch einsparen könnte.

3. Wer wissen möchte, welche unglaubliche Kraft im Benzin steckt, der mache ein ganz simples aber eindrucksvolles Experiment: Er stelle sein Auto auf einen ebenen Parkplatz und schiebe mal zwanzig Meter. Um die Geschichte ein wenig zu aufzupeppen und zur Steigerung der Lebensfreude wiederhole er dasselbe auf einem Gelände, wo es ein wenig bergauf ginge. Da dürfte dann jeder Respekt vor Benzin kriegen ... Höchst eindrucksvoll, wenn man z.B. Kinder etwas demonstrieren wollte, und nicht nur denen.
Rechnet man der Einfachheit halber mal einen Verbrauch von 10 lt auf 100 km, so verbrauchte man auf 10 km einen, auf einen Kilometer ein Zehntel, auf 100 Meter ein Hundertstel Liter und folglich auf 10 Meter ein Tausendstel Liter. Ein Liter hat tausend Kubikzentimeter. Verbrauch auf 10 Meter also ein Kubikzentimeter. Aber nun verbraucht der Wagen ja nur drei Liter und nicht zehn.
Fazit: ein oder zwei Fingerhut voll Benzin? Und damit bewegt man einen ganzen Wagen zehn Meter? Nun schieben Sie mal ordentlich!